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21.07. - 27.07.2011 Snedskär bis Figeholm
Gestern haben wir noch große Pläne darüber gemacht, was wir heute unterneh- men können. Bei dem vorhergesagten N-Wind natürlich Weitersegeln. Wohin? Wir wollten zum „Fischer" nach Håskö-Lisselön. Da würde man auch gut bei N- Wind liegen können. Das war gestern. Und heute??? Seit mindestens 6 Uhr ist das Trommeln von Regen zu hören – alles grau in grau. Wo kommt der Regen her?? Und zudem wird auch noch N-Wind bis zu 10ms und mehr angesagt. Da wird nicht lange gefackelt, da bleiben wir hier.
Den ganzen Vormittag regnet es und erst am Nachmittag sind Regenlücken vor- handen, die wir gleich mal nutzen, um die Füße ein wenig zu vertreten und ande- re Segler, die wie wir ebenfalls auf Grund des Wetters hier geblieben sind zu treffen. Der Regen ist offensichtlich vorbei. Zum Sundowner sitzen wir nochmal zusammen, diskutieren den Wetterbericht und was wir so machen können bei N bis NE Wind. Es ist ja der richtige Wind um nach Süden zu fahren, aber muss er gleich wieder mit mehr als 10ms (6 Bfd.) blasen?
Wir bleiben bei unserem Entschluss: Håskö–Lisselön zum Fischer, wenn nicht der morgige Wetterbericht entscheidend anderes sagt.
Schlafen in der Nacht war nur kurz, nicht weil wir so früh aufgebrochen sind, nein, weil von 1 Uhr bis nahezu 5 Uhr morgens ein heftiges Gewitter nach dem anderen durchzog. Dazu dann prasselnder Regen, der die ganze Plicht nass machte (wir hatten unsere „Hütte" abends abgebaut). So verlegten wir unser Frühstück vom Cockpit in den Salon. Draußen ist alles diesig, Wolkenverhangen, dunkel – einfach Brrr. Aber der Wetterbericht kündigt für den Nachmittag wieder Sonne an und den N - NE Wind sollte man schon ausnutzen, wenn man nach Süden will. Vom seglerischen eine Super Fahrt, vom touris- tischen (was man so sehen kann) eine Pleite. Denn das oder die Gewitter haben eine Nebelschicht hinterlassen. Sicht z.T. nur eine halbe Meile. Auf der „Schärenautobahn" ist das kein Problem, denn erstens sieht man die viele Tonnen und Leuchtfeuer, zweitens hat man den Kurs auf dem Plotter und kann sich schnell orientieren. Es kommen so viele Segler oder Motorbootfahrer ent- gegen, aber man kann die Strecke wunderbar überblicken. So fahren wir erst mit dem Genaker und erreichen immer wieder die 6kn Marke, später, als der Wind noch mehr auffrischt, nur noch mit der Genua. Ein Super segeln. Alles was noch fehlt: die Sicht. Aber man kann ja nicht alles haben. Wir begegnen einigen Finnischen Seglern, die gegen den Wind an motoren. Sie haben heute „schlechte Karten", dafür waren sie auf der Fahrt nach Süden, als auch nur N- Wind war, besser dran (und wir dagegen schlechter – doch ein Ausgleich).
 
Hatten wir uns darüber Gedanken gemacht, dass es heute hier in Håskö voll sein würde, so sehen wir uns „enttäuscht". Gerade mal 4 Schiffe liegen an der Steganlage als wir ankommen und 1 blaue Tonne ist auch noch frei – also Platz in Hülle und Fülle. 2 Std. später sieht das schon wieder anders aus, nachdem 3 dicke Motorboote und 2 Segler gekommen sind. Mit anderen Worten: wir sind wieder einmal zur richtigen Zeit gekommen. Und so können wir auch den frisch gekauften Fisch in aller Ruhe und Gelassenheit zum Mittags-Vesper verzehren.
Für den Nachmittag haben wir eine Wanderung vor. Wir wollen endlich einmal die Nordbucht von Håskö erkunden. Ein gut mit roten Markierungen versehener Weg führt uns in die von hohen Felsen umschlossene Bucht Äppelkrok. Der Weg ist dicht gesäumt mit Blaubeersträuchern und die sind alle reif. So bleiben wir immer wieder stehen, um eine Hand voll Blaubeeren zu pflücken und zu essen. Hätten wir das gewusst, dann hätten wir einen großen Behälter mitge- nommen und Blaubeeren gesammelt, um später Marmelade zu machen.
Die Bucht Äppelkrok merken wir uns. Außer nach Norden ist sie durch hohe Felsen und Baumbestand bestens geschützt. Und Anlegestellen gibt es genug, ohne dass man als „Bergziege" die Leinen ausbringen muss. Am Abend sitzen wir noch beim Würfelspiel solange zusammen, bis wir von den Mücken vertrie- ben werden. Und dann folgt eine aufregende Nacht. Um kurz vor 12 Uhr kommt ein Gewitter runter – es kracht und blitzt in einer Tour und dazu kommt der Regen waagerecht. Leider auch bei uns in die Plicht, denn ich hatte die „Hütte" nicht komplett aufgebaut, sondern nur zur angekündigten Windseite. Und das Gewitter hielt sich nicht an die Windrichtung, es kam von der anderen Seite. Also so schnell als möglich das fehlende Seitenteil einsetzen und dann beobachten wir, dass der vor uns ankernde deutsche Segler Probleme hat. Er hat seine komplette Beleuchtung eingeschaltet und das Schiff schwimmt hin und her. Aber offensichtlich hält der Anker, denn als der „Spuk" vorbei ist, liegt er noch an seinem Ankerplatz. Die Gewitter laufen rund herum, stark, laut, hell bis 5:00Uhr morgens.
Samstag 23.07.
Der Wind hat seine Richtung SE nach dem Gewitter beibehalten und es klat- schen lautstark Wellen an unser Heck. Blöd, da kann man nicht richtig schlafen. Laut Vorhersage hätten wir NE oder E Wind haben sollen und damit wäre alles ruhig geblieben. So sind wir wieder zeitig auf und auch unsere Nachbarn hält nichts mehr. Ablegen bei Seitenwind, mit langer Verhole Leine ist nicht so ganz einfach, zumal wenn die Gefahr besteht, dass man auf eine andere Ankerleine getrieben wird. Viel zu segeln gibt es bei dem Wind und der vorgesehenen Strecke (9sm)  nach Süden auch nicht. Aber wir wollen heute nach Stugvik, dort liegen wir für die nächsten Tage mit Starkwind aus S sehr gut (wenn der Wetterbericht stimmt). Über Funk erfährt Renate von Fred, der letzte Nacht dort war, das nur 3 Schiffe an der Steganlage lagen – also alles leer ist. Und tatsächlich, als wir nach Stugvik reinfahren, sehen wir nur einen ankernden Segler und an der Steganlag – wen? Na klar, dass sind doch die „Hamburger".
Als Werner und Karl Heinz kommen, sind wir 4 deutsche Schiffe. Aber dann geht es los: die Schweden kommen und alle wollen sie heute an den hinteren Steg (wo wir liegen). Vielleicht haben wir Glück und der angesagte Wind kommt aus Süd, dann liegen wir sehr geschützt. Blaubeeren suchen ist hier weit aus müh- samer als in Håskö. Einmal weil die Blaubeeren wesentlich kleiner und die Büsche auch nur mickerig klein sind und zum anderen wurde hier sicherlich schon viel mehr gesucht – und Mücken gibt es auch noch.
Das vorgesehene, abendliche Grillen fällt einem Regenschauer zum Opfer. Denn nach dem Regen sind alle Tische und Bänke nass und außerdem ist es schon zu spät. Was soll’s, morgen scheint bestimmt wieder die Sonne.
Sonntag, 24.07.
Der nächtliche Regen ist in Ordnung, wenn er denn am Morgen aufhört – und das tut er. Dafür bläst der Wind – wie vorhergesagt aus SW, wir sehen es an den Bäumen, die auf der anderen Seite der Bucht stehen. Wir liegen im Windschatten recht ruhig. Und wie als Bestätigung für unseren „Pausen- Starkwind-Tag meldet auch der Wetterbericht bis zu 13ms aus SW. Da müssen und wollen wir nicht gegenan fahren. Und als dann die Sonne herauskommt, nur ab und an von schnell dahinziehenden Wolken verdeckt, wissen wir: das machen wir richtig. Ein deutscher Segler, der ausgelaufen war, kommt wenig später zurück und berichtet, zu viel Wind um gegenan zu motoren. So wird es ein „anstrengender Tag – Schiff putzen und dann einen ausgedehnten Klönschnak, der fast unmerklich in das Mittagsvesper übergeht. Dazwischen beobachten, welche Mühen manche Skipper mit ihren an der Boje vertörnten Leinen haben.
Am Nachmittag ist wandern angesagt. Viel geht aber nicht, denn durch den in letzter Zeit heruntergekommenen Regen sind die Wege z.T. matschig und als wir auf eine Wiese kommen, zeigt sich bei jedem Schritt Grundwasser. Also nur soweit laufen, bis man die Bucht von Stugvik gut übersehen und Fotos machen kann. Nach solcher „Anstrengung schmeckt der Nachmittagskaffe besonders gut. Und da jeder noch etwas an Keksen „auf den Markt wirft, wird es ein ausgedehntes Kaffetrinken. Neben uns liegen 2 Schiffe mit jungen Familien. Wir kommen mit ihnen ins Gespräch und bekommen noch so manchen Tipp welche Buchten man noch besuchen soll und wo man gut an Felsen liegt. Ein gemeinsames Grillen – bei Schweden sowieso obligatorisch – rundet den schönen Tag ab.
Montag, 25.07.
Wir haben uns als nächstes Ziel den ca. 27sm entfernten Hafen von Solbergsudde ausgesucht. Lt. Wetterbericht soll es SE Wind geben und da könnte man auf der Strecke ganz gut auch segeln. Der angesagte morgendliche Regen wird durch dunkel Wolken ersetzt und die Windrichtung SE wird durch S ersetzt. Nur die Windstärke - angesagte Windsstärke von 5-8ms - wird stellen- weise erheblich überschritten und die Wellenhöhe an den nach See hin freien Stellen beträgt oftmals mehr als 1,5. Wir kämpfen uns mit Maschine nach Süden, während uns ungezählte Segler mit schneller Fahrt entgegenkommen. Da heißt es besonders in engen Passagen richtig gut aufpassen. Unterwegs treffen wir auf die Rescue, die ein Motorboot nach Loftahammar schleppt. Kein schöner Gedanke wenn der Motor bei dem Wind und der Welle zwischen engen Felsendurchfahrten ausfällt. Da der Wind und damit auch die Welle noch zu- nehmen, wir auf der Strecke nach Solbergsudde (Västervik) ein langes Stück offenes Wasser haben, verabreden wir (über Funk) Loftahammar anzulaufen. Der Hafen war gestern schon mal im Gespräch, falls die Welle vor Västervik zu hoch ist. Da wir den Hafen noch nicht kennen, ist es auch ein neues Ziel. Und heute positiv: wir können die letzten Meilen vor dem Wind segeln.
So liegen wir um 13 Uhr fest am Gästesteg – mit dem Bug gegen den Wind – sehr gut. Viel zu sehen gibt es hier nicht, eine große Marina mit vielen Motor- booten und allem Service, im Ort ein ICA Laden, eine Tankstelle, eine sehr schöne Kirche mit einem gepflegten Friedhof und gegenüber ein Altenheim.
In der Nacht flaut der Wind ab und wir liegen ganz ruhig am Gästesteg zwischen Auslegern (Boms). Voll ist es hier nicht, mindestens die Hälfte der Gästeplätze sind noch frei. Im Hafen liegen viele Motorboote und eine Fäkalien-Absaugan- lage schwimmt mittig und damit unübersehbar im Einfahrtsbereich. Nur sieht man niemanden, der die Anlage benutzt.
Dienstag, 26.08
Es war auf der Seekarte bereits zu sehen, dass wir auf dem Umweg nach Solbergsudde durch ein großes Schärengebiet kommen werden und dass hier viele – wie wir sagen „Klohäuschen" auf den kleinen Inseln eingezeichnet sind (Trocken-WC und Müllablage). Immer ein untrügliches Indiz dafür, dass es ein gerne besuchtes Revier ist. Es ist eine „traumhafte" Landschaft mit vielen An- legestellen (am Felsen), bewaldet, am Ufer lange Schilfgebiete und so wie wir sehen, nur wenigen Schiffen am Felsen. Hier kann man sagen: jedem seine Bucht. Wir merken uns das Gebiet gleich vor, hierher - und dann für mindestens eine Woche – sollten wir noch einmal fahren und dann von Bucht zu Bucht bummeln. „Warum in die Ferne schweifen?" Ein kurzer Rundumblick in eine kreisförmig von Felsen umgebene Bucht – vor allen Winden geschützt – auch diese wird auf der Karte markiert für später.
In Solbergsudde werden die Räder ausgepackt und wir machen uns auf den Weg zum riesigen Einkaufszentrum „Willy:S". Es ist ein schöner Weg dorthin – geschätzt 4-5km , erst durch einen Wald, dann durch Siedlungen und innerhalb der Stadt auf Radwegen. Bei „Willy:S" muss man einfach „zuschlagen" – zu groß ist die Auswahl. Und schnell werden aus den „3 Sachen", die wir eigentlich nur brauchten, ein voller Rucksack und die Fahrradkiste ist auch bis oben hin voll.
Inzwischen ist die Sonne voll durchgekommen und nur ab und an droht eine Wolke mit Regen. Gegenüber unserem Liegeplatz ist ein riesiger Felsen, der bis ins Wasser reicht und der ist belegt von Sonnen- und Badelustigen, die vom nahen Zeltplatz herübergekommen sind. Da haben wir es mit baden einfacher: Badeleiter abklappen und rein ins - nach wie vor - 20°C „warme" Wasser.
Es ist schon blöd mit dem Wetter oder mit der Wettervorhersage. Für heute und morgen kaum Wind und dann die nächsten 3 Tage wieder Starkwind aus nörd- licher Richtung. So ist es nichts noch einen oder 2 Tage an Felsen zu „verbum- meln". Wir beschließen daher – so ungerne wir das auch tun – morgen 30sm bis Figeholm durchzufahren. Und sollte tatsächlich der NE Wind kommen, dann kann man statt des inneren und damit kürzeren Schärenweges auch den Weg außerhalb der Schären segelnd wählen. Das muss man dann sehen.
Mittwoch, 27.07.
Der Tag lässt sich gut an – nach dem Morgenbad in aller Ruhe frühstücken und danach klar zum Auslaufen. Die Sonne zeigt sich hinter leichten Schleierwolken, der Wind ist noch nicht wach, als wir gegen 8 Uhr ablegen. Vor der schönen Durchfahrt von Spärö muss uns unbedingt ein deutscher Motorbootfahrer über- holen. Er schiebt eine mächtige Bugwelle vor sich her und kommt in knapp 2 m Abstand vorbei, so dass wir kräftig ins Schaukeln kommen. Warum so nahe?? Es ist genügend Platz vorhanden. Wir finden sein Verhalten mehr als rücksichts- los. Später überholen uns schwedische Motorboote. Sie haben zwar den gleichen Kurs wie wir, aber beim überholen weichen sie im weiten Bogen aus – das ist rücksichtsvolles Verhalten.
Der Wind ist leicht und kommt von achtern, „Genua setzen"? „Nein, lohnt sich nicht, denn dann würden wir kaum 3kn Fahrt machen und bei 30sm bis Figeholm 10 Std. brauchen". So motoren wir weiter und freuen uns an der vor- beiziehenden Landschaft. Renate ist ganz aufgeregt, als wir einen schwedi- schen Segler überholen – „der segelt doch, warum wir nicht"?. O.k. der Wind hat zugenommen, jetzt lohnt es sich die Genua zu setzen, aber mehr als 4kn Fahrt ist auch nicht drin. An der nächsten Fahrwasserbiegung sieht das anders aus. Jetzt unter Gross und Genua machen wir wieder richtig Fahrt. Wenn das so bleibt, dann nehmen wir nicht weiter das innere Fahrwasser, sondern segeln außen herum. Ein kurzes Vergnügen, denn obwohl wir anschließend den großen Genacker und dann den Spi gesetzt haben, erreichen wir gerade mal 3kn Fahrt. Warum? Der Wind ist eingeschlafen. So heißt es denn: Maschine an, Kurswechsel auf das große Atomkraftwerk und den inneren Schärenweg nehmen. Mit uns laufen in dem schmalen und kurvenreichen an vielen kleinen und großen Steinen entlangführenden Fahrwasser noch 2 Holländer, Werner und wer noch? Karl Heinz, er hat sich auch entschlossen heute schon nach Figeholm zu fahren (muss auch keinen Starkwind an Felsen erleben).
In Figeholm finden wir Plätze, die gegen alle N-Wind-Richtungen gut geschützt sind und machen gegen 15 Uhr fest. Renate findet heraus, dass die Waschma- schinen frei sind und startet gleich eine Wäsche. Danach folgt erst der obliga- torische Hafen-Einlaufschluck. Es wird noch ein schöner sonniger Abend, ohne viele Mücken mit gemeinsamen grillen. Wir sind ziemlich international aufge- stellt, Deutsche in der Mehrzahl, dann Holländer, Engländer und natürlich Schweden. Alle wollen sie mehr oder weniger schnell nach Hause. Denn auch Rentner haben ihre Zeit- und Terminprobleme.
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Der Regen ist vorbei, wir machen einen Hafenrundgang
im Nebel auf der "Schärenautobahn" nach Süden
Blaubeeren satt - hier lohnt sich das Pflücken
Nach der Gewitternacht ist alles wieder friedlich in Håskö
Duchr die vielen Schiffsdrehungen ist die Bojenleine ganz schön vertörnt
Wo Elchlosung ist müßten doch auch Elche sein, oder?
Die Kirche von Loftahammar
Auf der Fahrt von Loftahammar nach Solbergsudde  kommen wir an ungezählten schönen Felsen-Liegeplätzen vorbei
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wir nehmen noch schnell ein erfrischendes Morgenbad bevor wir nach Figeholm aufbrechen
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